Sderot

Sehr interessant, mal in Sderot zu sein: Das übliche Flair von Bauten einer Entwicklungsstadt, neuen Prachthäusern und viel Wüste ergänzt zu sehen um den Blick auf den Gaza-Streifen, allgegenwärtige Bunker und Raketenschutzanlagen sowie eines gehörigen Gefühls kollektiver Angst. Eine ganze Menge medial vermittelter Vorurteile werden ausgeräumt: Dass der Gaza-Streifen kein eingemauertes Gefängnis ist, von einer Wüste umgeben, sondern man in 15 Minuten Fußmarsch ohne Probleme wie Besatzung und Hamas-Terrorregime drüben wäre. Dass die Kassam-Raketen keine überdimensionierten Silvesterböller sind, sondern schon eine große Explosionskraft ergänzt um Schrapnellgeschosse haben. Und dass ich wahrscheinlich hoffnungslos überfordert wäre, wenn ich innerhalb von 15 Sekunden nach Erklingen der warnenden Raketen einen Bunker aufsuchen sollte – ganz zu schweigen von der langfristigen psychologischen Belastung bei bis zu 40 Raketen am Tag, bei denen jedes Mal der Alarm losgeht.

Die Führung durch das Sderot Media Centre ist jedoch ein trauriger Witz: Die Begrüßung durch einen Freiwilligen gibt schonmal den Ton vor, als er das Problem mit den Palästinensern mit einer Kakerlakenplage vergleicht. Der Guide des NGO-Projektes glänzt während der Tour weniger durch Informationen als ein unablässiges aufdringliches politisch-pathetisches Geschwafel und sein Wissen um das, was die Menschen von Sderot eigentlich wollen würden: Nämlich auf keinen Fall Verständigung, Friedensverhandlungen oder zurückhaltende militärische Maßnahmen. Dass er dabei mit den Fakten recht locker umgeht oder auchmal schlichtweg Mist erzählt, überrascht nicht. Nichtsdestotrotz kommt man ohne Guide nicht weit, und an sehr pointierte Meinungen jeglicher Richtung muss man sich in Israel eben gewöhnen. Zumal er damit nicht ansatzweise den Mist ausgleicht, der international so über Israel verbockt wird.

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Bunker auf dem Spielplatz / Ein neues und sicheres Dach für die Schule – künftige Schulen werden dann gleich unter der Erde gebaut
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Die Kassam-Collection der örtlichen Polizei: Gotta catch em all

Farewell, Beer Sheva

Mein dicker Reiseführer widmet Beer Sheva und seinen Sehenswürdigkeiten eine spärliche Seite. Hiesige Israelis sagen, sie wohnen gerne an dem Ort. Alle anderen lachen, wenn man sie auf Beer Sheva anspricht: Jene Entwicklungsstadt, die Ende der 1960er vom Himmel auf den Sand gefallen zu sein scheint, in der Beton, Teer und etwas Wasser einen beständigen Kampf gegen das Vordringen der Wüste führen. Viel gibt es nicht, an dass ich mich erinnern werde…

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Sightseeing zwischen Lokalkolorit / Der Beer-Sheva-River in weiß-braunem Lokalkolorit
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Möge die Macht mit ihnen sein…

David Ben Gurion war ein dufte Typ. Vom Orangenpflücker hat er es zum Staatsmann gebracht, eine zionistische Armee aufgebaut und Israel gegründet. Unvergessen seine Alleinstellungsmerkmale, ausgefallene Frisur und Arbeitsanzug, die er mit anderen Größen der Weltgeschichte wie Mao Tse-tung oder Kim Jong-il teilt. Wie auch einen gewissen Messianismus: In den 1950er meinte er, die Israelis müssten die Negev-Wüste besiedeln, und zog als leuchtendes Beispiel ins Kibbutz Sde Boker.

Die Leute jedoch wollten ihm nicht folgen, weshalb man in Sde Boker nun Geselligkeit und Devisen im Andenken an Ben Gurion sucht. Gleich einem Erlebnispark wird uns der zionistische Anführer vorgestellt, können wir seine bescheidene Hütte besichtigen und im Kinosessel, direkt neben dem Grab der Ben Gurions, uns mit Führerqualitäten in Israel beschäftigen. Bereichernd ist die Tour: „Such a great leader. Whats your opinion on qualities a leader should have? And please don‘t forget to take a photo of David Ben Gurions belongings and tell us about your thoughts!“

Es kam, wie es kommen musste: Deutsche, die weder politisches Verständnis, Wissen über politische Bildung noch Gespür für die politische Kultur eines anderen Landes haben, wollen über Militarismus und Personenkult diskutieren. Lockerer die Amerikaner: Nur ihnen fällt auf, dass auf einem der Bilder im Bücherregal ein kleiner Buddha zu sehen ist. Das Foto ist verschwommen, er scheint zu schweben. Und was ist das für eine Lichtspiegelung? „Looks like he holds a light saber from Star Wars!“

Forget about politics, leadership and history, praise Yoda Ben Gurion – die Macht war eben einfach mal auf der richtigen Seite.

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„The supreme test of Israel in our generation lies not in its struggle with hostile forces without, but in its success in conquering, through sience and pioneering, the wildness of the countries south, the Negev.“

ROTFL

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Haaretz vom 03. August 2010

Elends-Tourismus

Oh je: Ein Tour nach Ost-Jerusalem und Umgebung, überraschend mit dem Israeli Committee Against House Demolitions: Keine großartigen News über Siedlungs- oder Besatzungspolitik, obgleich die Fahrt nach Ma‘ale Adumim schon beeindruckt und die bekannten Zahlen über Wasserverbrauch, Regierungssubventionen, ambivalenten Baustopp etc. untermauert – eine der herausgeputztesten israelischen Städte, die ich je gesehen habe, unglaublich viel Wasser und Geld scheint dort ver(sch)wendet zu werden. Zugleich jedoch belästigt uns der Guide die ganze Zeit mit dem Einblick in ein Weltbild, wie ich es in dieser Radikalität noch nicht in Israel erlebt habe: Das Land werde immer faschistischer, die Demokratie stehe kurz vor ihrem Ende, Besatzung bedeute Lager, Homelands und Apartheid, einige Freunde bezeichnen dies sogar als Holocaust, die Gaza-Flotille war eine dufte Sache, die gesamte israelische Politik seit 40 Jahren sei eine Verschwörung zur Errichtung eines Großisraels, ihr Deutschen habt so toll aus der Vergangenheit gelernt, da könnten wir Israelis uns eine Scheibe abschneiden, etc. etc.

Und ich habe auch noch an der Orga der Tour mitgewirkt – bin ich nun Kollaborateur der antizionistischen Sache geworden? Oh je…

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Counting the Cats / UN-Fahrzeug-Friedhof

Counting the Cats II

Das Gerücht geht, dass es in Beer Sheva mit seinen weniger als 200.ooo Einwohnern 4 Millionen Katzen geben soll…

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Party, Punkrock, Palästina – Israel am Wochenende

Halb 12, das ist eine akzeptable Zeit, um das Ende des Schabbat-Wochenendes mit einer leckeren Falafel von der Ben Yehuda vor dem Rechner zu beenden. Die Stadt flirrt zwar an diesem Samstagabend wie jede Woche noch vor Aktivität; jeder Laden, ob er nun Souveniers, Alkohol, Fast-Food, Beisammensein oder Musik anbietet, ist gut gefüllt, und wer nicht mehr hineinpaßt, vergnügt sich eben auf der Straße. Jugendliche tragen ihren Chic oder ihre Partner zur Schau, die Anhänger Rabbi Nachmans tanzen auf dem Kikar Zion (Zion Square) umher. Das Treiben toppt sogar noch das Nachtleben der Donnerstag- und Freitagabende, wo schon alle Welt der häuslichen Enge in den Kneipen und Bars in der überschaubaren Innenstadt entflieht. Jene paar Straßen sind in diesen Nächten leergefegt von den sonst allgegenwärtigen engstirnigen Religiösen, die sich am Schabbat dem Zwang der Tradition in der Familie hingeben.

Während die gute Friederike noch zum Tanzen ausgeht, ist halb 12 eine passable Zeit für die ausreichende Portion Schlaf, um morgen wieder früh aufzustehen. Schließlich beginnt die geplante Knesset-Tour schon arg zeitig. Und sowieso kann weder der Drum‘n'Bass-Technokrams in irgendeiner Kaschemme noch das Stoner-Rock-Live im Uganda mich sonderlich begeistern. Das Punkrock-Konzert gestern im Daila (Shlomzion Hamalka 4) war da schon eher ein Spektakel.

Ein überschaubares und recht junges Publikum von knapp zwei Dutzend Leuten sagte schon viel über die Jerusalemer Szene aus. Weil der Laden bereits um 12 Uhr schließen musste, erwischten wir nur noch die letzten beiden Bands, Sheinkin Punks aus Tel Aviv und eine Kapelle, deren hebräischer Name übersetzt Rotzkacke heißt. Vielleicht auch ihr russischer Name, denn das schien gestern die gängige Verkehrssprache gewesen zu sein. Interessanter als die durchschnittliche Musik, die nach monatelanger Punkrock-Abstinenz nichtsdestotrotz zum Kopfnicken einlud, waren die inhaltlichen Statements – die uns ein russischkundiger Reisender aus Finnland freundlicherweise bruchstückhaft übersetzte. Fast durchweg ging es um Themen, die in der Szene weltweit immer aktuell sind, Anarchismus schnappten wir auf, von Antifa war da was zu hören, und zwischendrin wurde dann noch für einen Linken aus Russland gesammelt, der dort bei einer Schlägerei mit Nazis wohl gefährlich verletzt worden ist. Die inhaltliche Ausrichtung an den zeitlosen Trends der globalen Subkultur statt der tatsächlichen politischen und sozialen Situation gipfelte im kollektiven Rufen der Parole „Antifa Jerusalem“ – angesichts der zu vernachlässigen Existenz von Nazis in Israel gleichermaßen skurril wie auch witzig und dumm.

Während diese unreflektierte Übernahme linker Allgemeinplätze von anderswo in der Subkultur noch belanglos ist, gerät sie in der radikalen Linken zur Farce. So durfte ich mich am Freitag von der Palästina-Solidarität der hiesigen Szenelinken bei einer Demo in Bil‘in überzeugen. Mehr als 1.000 Menschen, darunter wohl so 200 israelische und internationale Aktivist/innen, waren in dem Dorf zusammengekommen, um das dritte Jubiläum der wöchentlichen lokalen Proteste gegen den Sicherheitszaun vor Ort zu begehen.

All das lief, scheinbar wie jede Woche, recht routiniert ab. Die Menge zog durch das Dorf zum Grenzzaun, wo ein wenig gerüttelt wurde. Auf der gegenüberliegenden Seite, vielleicht 20 Meter entfernt und auf der Spitze eines zu erklimmenden Hügels – sozusagen als „King of the Hill“ – stand die IDF mit einer Handvoll Soldat/innen. Als Langeweile einsetzte, war die Armee so nett, einen Jeep knapp hinterm Zaun vorbeizuschicken, an dem die Kids ihre Steine loswerden konnten. Das widerrum lieferte den Anlass für einen Regen von Tränengasgeschossen, die nach ein oder zwei Stunden von vereinzelten Gummigeschossen abgelöst wurden. Nachdem irgendwann die Presse abzog, hatten auch die Randalekids keine Lust mehr und gingen zum Abendbrot in ihr Dörfchen zurück.

Auf Seite der israelischen Aktivist/innen weiß man um den wöchentlichen Ablauf und bereitete alle Teilnehmer/innen von Anfang an darauf vor. Der Großteil von ihnen wie auch der Demo blieb dementsprechend auch schon vorzeitig zurück, um sich keiner Gefahr auszusetzen. Dass trotzdem ein amerikanischer Aktivist verletzt wurde, scheint freilich praktisch zu sein, weil es für internationale Aufmerksamkeit sorgt.

Das scheint auch der einzige Zweck der Teilnahme von Israelis und Internationalen an den Protesten in Bil‘in und wohl auch anderswo zu sein. Denn von Zusammenarbeit kann keine Rede sein: Sie auf der einen und die Palästinenser auf der anderen Seite blieben ziemlich unter sich. Die Kommunikation beschränkte sich weitgehend auf eine Handvoll Kinder, die Kaffee, Palästina-Armbänder oder Bil‘in-CD-Roms an die Besucher/innen verkaufen wollten. Die einheimischen Organisatoren kümmerten sich nicht darum, ihre Reden ins Hebräische oder Englische zu übersetzen, und eigene Beiträge wurden von den Israelis und Internationalen nicht eingebracht. Einzig eine, wie sollte es anders sein, Trommeltruppe hatten sie aufzubieten, die zumindest für Abwechslung in der von arabischen Sprechchören, DFLP-Fahnen und Liedern geprägten Demo sorgte.

Dass der ganze Spaß nach der Freitagspredigt und an der örtlichen Moschee begann, schien die westlich geprägten Linksradikalen nicht zu irritieren. Auch die Dominanz von Mackern und Machos und die geringe, an einer Hand zu beziffernde Zahl von arabischen Frauen – natürlich verschleiert – schien sie weder zu stören noch zu Interventionen zu bewegen. Ihre Aktivitäten, erklärte mir S. von den Anarchists against the Wall, beschränken sich auf solche spektakulären, aber wenig nachhaltigen Aktionen wie die Demonstration. Bedingungen stellt man an die Partner dabei nicht, solange man ein gemeinsames taktisches Ziel habe. Insofern arbeitet man auch Leuten von der Hamas und dem Islamischen Djihad zusammen. Die Vertreter von denen sind ganz nett, meinte S. weiter, und warum sie ausgerechnet bei den Islamisten gelandet seien, könne sie nicht verstehen. Das sei wohl mehr von Zufällen und persönlichen Bekanntschaften geprägt. Dass sie für die Stärke reaktionärer und islamistischer Bewegungen und ihres Niederschlages im Alltag selbst in dem von der Fatah und der sehr moderaten DFLP geprägten Dorf keine Erklärung anzubieten hatte, überraschte mich doch sehr. Zumindest eine vermeintliche Analyse, dass eine Gesellschaft unter dem Zustand der Besatzung eben nicht mit demokratischen und „freieren“ Gesellschaftlichen verglichen werden kann und man deshalb mit jeder Hanswurstbefreiungsbewegung zusammenarbeiten müsse, hätte ich erwartet. Stattdessen ignorierte man dies total und marschierte gemeinsam mit den Möchtegernmärtyrern an Plakaten vorbei, die die Befreiung des ganzen historischen Palästinas inklusive Israels mit Granate und Kalaschnikow ankündigten, während die Frauen vom Balkon aus zuschauten.

Schade, dass der Tag in Bil‘in jenes traurige Bild von der Palästina-Politik der radikalen Linken Israels, das mir bisher auf Veranstaltungen und in Texten vermittelt worden ist, nicht revidieren konnte. Peppige T-Shirts, Parolen und Propagandaformen gibts zuhauf, während man seine Ideale eines liberalen, anarchistischen oder whatever Lebens den Palästinensern nicht zumutet und stattdessen lieber auf Action schielt. Ein ehemaliger Aktivist, den Friederike letztens auf einer Party kennengelernt hatte, erzählte ihr, dass er sich ein wenig zurückgezogen habe, weil sich trotz des jahrelangen Engagements so wenig zu ändern schien. Verwunderlich ist das freilich nicht, wenn man statt auf Analyse auf platten Aktionismus setzt. Doch das ist ja bekanntlich ein Problem, das nicht nur die radikale Linke Israels hat…

Da mein Begleiter C. ordentlich und vor allem super fotografiert hat, hier nur wenige Bilder, bevor ich in ein paar Tagen seine online stellen kann.

Demo Demo
Die einen und die anderen Demonstrant/innen

Demo Demo
Kontakt übers Handeln / Fragwürdige Vorbilder in Bil‘in

Demo Demo
Presse / Beliebte Motive I

Demo
Beliebte Motive II; ob ich das Andenken wohl durch die Sicherheitskontrollen am Flughafen bekomme?

Making Sabres

Interessante und nicht zu übersehende Anzeige in der gestrigen Wochenendausgabe der Haaretz, Seite 5:

attractive Askenazie sperm donor
to produce SABRA
no fee, bank if required
write Bxxx Axxx 10 dxxxxx #xxx
Tel Aviv xxxxx

Man beachte, dass eine Bank zwar möglich, aber nicht unbedingt nötig sei…

Gemeinschaft vs. Moderne: Der israelische Wohnungsmarkt

Der Kapitalismus ist evil, das weiß ja heute jede/r, und trotzdem hat er Fortschritte hervorgebracht, die zu würdigen sind. „Die fortwährende Umwälzung der Produktion, die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeoisepoche vor allen anderen aus“, heißt es etwa im kommunistischen Manifest. Hergebrachte Bindungen werden erodiert, traditionelle Gemeinschaften zerbrechen in der Reduktion auf das bloße Interesse des Individuums. „Alle festen, eingerosteten Verhältnisse mit ihrem Gefolge von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst, alle neugebildeten veralten, ehe sie verknöchern können. Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehn.“

Doch der traditionelle Kollektivismus mit dem Versprechen der sozialen Wärme und der bitteren Wahrheit gemeinschaftlich-repressiven Verhaltens versucht sich bekanntermaßen gegen den Einfluss der Moderne zu retten; in der Familie, in der Nachbarschafts-, ländlichen oder religiösen Gemeinde lebt er fort. Und selbst in den unmöglichsten Gefilden wird diese Auseinandersetzung ausgetragen – etwa auf dem israelischen Wohnungsmarkt.

So oder so ist dieser schon heiß umkämpft. Preise verdoppeln sich innerhalb weniger Monate, Mieter haben fast keine Rechte, günstige Wohnungen sind schwer zu finden. Besonders die Ultra-Orthodoxen mit ihren Großfamilien von nicht selten acht und noch mehr Kindern sind da vor gewisse Probleme gestellt. Mit Komitees von Rabbis versuchen sie dem nun vorzubeugen: Wer zu hohe Preise verlangt, wird geächtet, wer zu hohe Preise bezahlt, der auch. Da wird die Mutti dann nicht zu Frauenorganisationen eingeladen, Vati von den Tora-Lesungen ausgeschlossen und der Nachwuchs nicht zur Schule zugelassen. Wer sich dem Boykott nicht fügen will, wird selber Opfer.

Immobilienmakler und Betroffene freilich lassen sich das nicht bieten. Zwei Mitglieder eines ultra-orthodoxen Wohnungskomitees in Ramat Eshkol, berichtete die Haaretz am Montag, hätten bereits Morddrohungen erhalten. Gleichzeitig soll die Schule ihrer Kinder aufgefordert worden sein, diese auszuschließen, weil sie sonst niedergebrannt werden würde.

Harte Bandagen in einem Konflikt zwischen Kapitalismus und Tradition, der sonst doch so anonym und unangreifbar, versteckt hinter Irrationalitäten und Marktzwang, stattfindet. Es bleibt spannend, weiß auch die Haaretz: „Stay tuned“.

Der Frühlingsrollenstreik

Pech gehabt: Wer gestern in Israel in einem der vielen asiatischen Restaurants Frühlingsrollen serviert bekommen wollte, ging leer aus. In einer eintägigen Aktion wurde dieses beliebteste Produkt der importierten Fernost-Küche bestreikt, berichtet die Haaretz heute. In naher Zukunft sollen Streiktage für Sushi und Nudeln folgen.

Damit protestieren Israels Asia-Restaurants gegen Pläne der Regierung, die Zahl von ausländischen Arbeiter/innen zu begrenzen. Bereits in diesem Jahr wurden nur 500 asiatischen Köch/innen Arbeitsgenehmigungen erteilt, während es 2007 noch 900 gewesen waren. Im kommenden Jahr soll keine einzige Erlaubnis ausgegeben, doch Restaurants gegen erhöhte Löhne die Anstellung von Köchen als Experten erlaubt werden. Die Regierung argumentiert in der Kontroverse, dass Israelis angelernt werden könnten und damit die Anstellung von Gastarbeiter/innen überflüssig würde.

Seit der Eröffnung erster asiastischer Restaurants vor 30 Jahren in Israel hat sich aus ihnen, schreibt die Zeitung weiter, ein blühender Geschäftszweig entwickelt, in dem jährlich eine Milliarde Schekel (ca. 190 Millionen Euro) umgesetzt werden.

Selbstmordanschlag in Dimona, Israel

Nun ist es passiert. Während alle Welt die Sprengung des Grenzzauns des Gaza-Streifens nach Ägypten durch die Hamas als Aufstand der Bevölkerung gegen israelische Sicherheitsmaßnahmen verklärt, verloren nur wenige Gedanken an das Bedrohungspotential radikaler Palästinenser. Mehrere Dutzend Terroristen waren in den vergangenen Tagen bereits in Ägypten mit Waffen und Sprengstoffgürteln festgenommen worden. Anscheinend jedoch zwei zu wenig: Heute vormittag kam es in der südisraelischen Stadt Dimona zu einem Selbstmordattentat. Eine Frau wurde getötet, mehrere andere Menschen teils schwer verletzt. Ein zweiter Angreifer wurde von Sicherheitskräften erschossen, bevor er seine Bombe detonieren lassen konnte.

Radikale Gruppen in Palästina wie auch Teile der Bevölkerung feiern das Attentat, während selbst aus den Reihen der Fatah Verständnis zu vernehmen ist. Bekannt haben sich zu dem Angriff unterdessen die der Fatah nahestehenden Al-Aqsa-Brigarden, auch die PFLP soll daran beteiligt sein. PLO-Präsident Mahmud Abbas hat den Anschlag verurteilt. Das letzte Selbstmordattentat in Israel ereignete sich vor mehr als einem Jahr in Eilat.

Die Frage, wie mit der südlichen Grenze des Gaza-Streifens zu Ägypten umzugehen ist, bringt die palästinensische Regierung, Israel als auch Ägypten in Bedrängnis. Niemand will den Islamisten von der Hamas Zugeständnisse machen, doch nach der Sprengung vor einigen Tagen hat diese de facto ein Grenzregime installiert. Ägypten steht unter dem Druck breiter Sympathien in der eigenen Bevölkerung für die Terroristen, während Israel ein weiteres Einsickern von Attentätern verhindern will. Bisherige Verhandlungen sind zu keinem Ergebnis gekommen.

Der Verweigerer

George Habash gehörte zur alten Garde. Als Jahrgang 1926 konnte der damalige Student der Medizin an der Amerikanischen Universität in Beirut die nakba, Flucht und Vertreibung im Rahmen des israelischen Unabhängigkeitskampfes gegen die angreifenden arabischen Staaten, hautnah erleben; seine Familie, griechisch-orthodoxe Araber, mußte ihren Heimatort Lod verlassen.

Die nakba sollte für Habash und seine Mitstreiter aus der Universität zentrales Motiv ihrer politischen Aktivität bleiben. Das Unglück war ihrer Meinung nach nicht weniger als Symbol der Schwäche der arabischen Welt; arabischer Aufstieg und Neuanfang würden unmittelbar mit der Umkehrung der Katastophe einhergehen. Wahda, taharrur und tha’r, Einheit, Befreiung und Rache bzw. Vergeltung, wurden Schlagworte dieser neuen Generation arabischer Nationalisten aus Palästina, die für die Einheit gegen Israel eintraten.

In der Bewegung arabischer Nationalisten fanden sie die Form, in den verschiedenen arabischen Staaten und vor allem den palästinensischen Flüchtlingslagern für ihre Ziele zu agitieren. Andauernde Feindschaft zu Israel, Rückkehr in die alte Heimat und Abwehr jeglicher Integrationsversuche der Flüchtlinge in die arabischen Gesellschaften standen dabei an erster Stelle. Plänen zum Bau von Häusern statt der provisorischen Zeltlager etwa trat man entschieden entgegen und brandmarkte das Hilfswerk der Vereinten Nationen für die Palästinenser als Werkzeug des Imperialismus. „Neuansiedelung“, hieß es kurz und knapp, „bedeutet in Wirklichkeit das Ende der arabischen Sache. Damit ist das Hindernis, das dem Frieden mit dem jüdischen Staat im Wege steht, beseitigt.“

Unter Einfluss des Panarabismus ägyptischer Färbung öffnete sich die heterogene Gruppierung dem Marxismus-Leninismus, ohne ihm jedoch ihre Feindschaft gegenüber den Juden unterzuordnen. So erklärte Habash, nachdem er nun der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) vorstand, dass „der internationale Zionismus als faschistische, reaktionäre, rassistische politische Bewegung,die die Klasseninteressen und Ziele der jüdischen Bourgeoisie verkörpert, die [sic] mit den Plänen, Interessen und Zielen des Imperialismus organisch verbunden ist und mit der Mobilisierung von mehr als 14 Millionen Juden auf der ganzen Welt den Rückhalt und die Aufrechterhaltung des zionistischen Gebildes … betreibt“. Zionisten, Israelis und Juden verschmolzen zum Wahngebilde einer jüdisch-imperialistischen Weltverschwörung, die es zu bekämpfen gälte. In Terroranschlägen auf Zivilisten fand dieser irrige Glaube seine Entsprechung.

Gegen Diskussionen einer diplomatischen Lösung der Palästina-Frage, wie sie seit Mitte der 1970er Jahre in der PLO als Dachorganisation der bewaffneten palästinensischen Gruppen aufkamen, widersetzte sich die PFLP vehement und nahm damit die Führungsrolle in einer breiten Verweigerungsfront ein. Als Anführer der zweitstärksten militanten Gruppe verfügte der Christ Habash zwar über wesentlichen Einfluss, die muslimische Basis erreichte er jedoch schwer. „Wäre George Habbasch Ahmed Habbasch genannt worden, könnte sich die gesamte Geschichte der Fedayin-Bewegung und des Nahen Ostens anders entwickelt haben“, urteile ein libanesischer Beobachter.

Obgleich die PFLP mit spektakulären Terroraktionen auf sich aufmerksam machte, blieb ihr Einfluss nach der Vertreibung aus dem Libanon durch die israelischen Streitkräfte infolge des Ersten Libanonkrieges begrenzt. In den besetzten Gebieten löste sie schließlich eine andere Gruppierung als Speerspitze der Front der Gegner des Friedens ab, die besser als Habash mit seinem Marxismus-Leninismus die Massen agitieren konnte: die Hamas.

Heute ist die PFLP längst zwischen den Auseinandersetzungen von Fatah und Hamas zerrieben worden, ihr Einfluss minimal und nur noch im Windschatten der Islamisten spürbar. Im Jahr 2000 zog George Habash sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Führung der PFLP zurück. Am 26. Januar 2008 erlag er im Alter von 81 Jahren in Amman einem Herzinfarkt.

Schiller, David Th.: Palästinenser zwischen Terrorismus und Diplomatie. Die paramilitärische palästinensische Nationalbewegung von 1918 bis 1981. München 1982
Baumgarten, Helga: Befreiung in den Staat. Die palästinensische Nationalbewegung seit 1945. Frankfurt am Main 1991
Kiefer, Michael: Antisemitismus in den islamischen Gesellschaften. Der Palästina-Konflikt und der Transfer eines Feindbildes. Düsseldorf 2002

Fertig

Nicht nur fix und fertig, nachdem wir uns durch das verschneite Jerusalem gekämpft haben, das sich so langsam in eine Ansammlung von Bächen und Flüssen verwandelt; ist schon hart, wenn man in der ganzen Stadt über keine Fahrzeuge oder Werkzeuge verfügt, um Schnee wegzuräumen, und die fehlende Kanalisation es einem mit dem Wasser auch nicht leichter macht. Zudem ist auch noch die Uni-Arbeit nicht allzu unpünktlich abgeschlossen und, dank der Genossen in der Heimat, abgegeben worden. Drei Monate und 160 Seiten Nahostkonflik vom Schreibtisch aus sind dann wohl vorbei und ich kann ihn mir endlich wieder live anschauen statt anzulesen.

Schnee Schnee
Jerusalem

Kurze Sendepause

Jerusalem steht Kopf, weil der gute Bush mal hier ist. 8.000 Polizist/innen, 1.500 Fahnen, 25.000 Dollar pro Stunde für Sicherheitsmaßnahmen. Und ich bin nicht dabei: Weil der Abgabetermin für die Uni-Arbeit immer näher rückt, bleibt wenig Zeit für anderes. Leider auch für das Blog, deshalb wird es hier bis Ende Januar sehr viel ruhiger zugehen.

20 Jahre Women in Black

Anderswo wäre alles viel fulminanter gewesen. Kein Straßen wurden abgesperrt, keine Räumfahrzeuge waren präsent; die anwesenden Polizist/innen ließen sich an zwei Händen abzählen und waren vor allem damit beschäftigt, den Verkehr zu regeln. Zumindest ein paar Soldat/innen waren da. Und das, obwohl es sogar eine Gegendemo gab!

Zudem sind die Women in Black eine Gruppe, die mit ihrem stillen Protest gegen die Besatzung seit 20 Jahren Widerspruch, verbale und sogar gewalttätige Drohungen auslöst. Dabei ist ihr politisches Programm nicht sehr ausgefeilt: Seit die Frauen seit Beginn der ersten Intifada vor 20 Jahren wöchentlich an den immer gleichen Orten Israels protestieren, fordern sie einfach nur ein Ende der Besatzung der palästinensischen Gebiete.

Knapp 300 Menschen begingen gestern in Jerusalem mit einer öffentlichen Kundgebung den 20. Geburtstag der Gruppe. Viele Schilder, viele alte Leute in Schwarz, auch ein paar junge, eine Menge arabischer Teilnehmer/innen und allerorts englische und auch deutsche Sprachfetzen. „Und was hast du am 24. so gemacht?“ Nicht zu vergessen die Gegendemo: Vier, später acht, Rechtsradikale mit etwas weniger als 20 Plakaten protestierten auf der anderen Straßenseite, brandmarkten ihre Gegner als Antisemiten und forderten für sie die Todesstrafe. Dubiose Gestalten, die vor allem etwas mediale Aufmerksamkeit abbekommen wollten. Worum es den Women in Black eigentlich ging, wußten sie jedoch nicht; ihnen ist jede/r, die/der gegen die Besatzung ist, ein/e Gegnerin und wird von Islamisten finanziert: „Die Araber haben 21 andere Staaten, also sollen sie doch dahin gehen.“

Demo/ Demo/

Demo/ Demo/

Demo/ Demo/
Gegendemo: Mindestens zwei Schilder pro Person müssen schon sein

Demo/
Ob es noch mehr von seiner Sorte hier gibt?

Kreuz verschwunden

Eine Rundmail von der Kirche. Herrlich!

Liebe Bethlehem-Wanderer!

auf der Rückkehr von Bethlehem nach Jerusalem hat unser Volontär T. unser Kirchenvortragekreuz F. gegeben. Seitdem ist das Kreuz verschwunden. Wir würden uns freuen, wenn unser Kreuz noch in diesem Jahr bei T. oder im Gemeindebüro abgegeben wird. T. könnte es auch abholen.

Guten Rosh (Rutsch) (…)

Israel statt Iran

„Wir haben die Freiheit, unsere Religion auszuüben“, teilte Ciamak Morsathegh der Weltöffentlichkeit mit. Im Iran gäbe es keine Gefahr für Jüdinnen und Juden. Das Oberhaupt des Teheraner Jüdischen Komitees reagierte damit auf die jüngste Auswanderung von 40 jüdischen Iranerinnen und Iranern nach Israel, die unter größter Geheimhaltung und über ein nicht genanntes Drittland stattfand. Gestern berichtete die Haaretz neben anderen Medien über ihre Ankunft in Israel, hielt jedoch auf Wunsch der Betroffenen Namen und Fotos zurück, um Verwandte im Iran nicht zu gefährden. Während einige der Flüchtlinge im Iran in Angst gelebt hätten, teilten andere mit, dass sie sich in dem Land sicher gefühlt hatten.

Morsathegh tat die Auswanderung, die nicht stattgefunden hätte, als Teil einer Desinformationskampagne ab. „Antisemitismus ist eine westliche Erscheinung und im Iran waren Juden nie in Gefahr.“ Dass der Antisemitismus zwar aus den westeuropäischen Staaten kommt, aber mit der kapitalistischen Moderne von dort aus seinen Siegeszug über die Welt angetreten hat, kommt Morsathegh freilich nicht in den Sinn. Doch auch die Berufung auf das vormoderne islamische Recht der dhimma, die das Zusammenleben von Muslimen und Andersgläubigen regelt, ist in Zeiten allgemeiner Menschenrechte nicht weniger antisemitisch. Zwar erlaubt es – in seiner Abwandlung im Iran bis heute – die freie Religionsausübung und politische Repräsentation. Nichtmuslime müssen jedoch die Vorherrschaft des Islam akzeptieren und sind nur Staatsbürger zweiter Klasse.

Während dank der dhimma in der islamischen Vormoderne Jüdinnen und Juden freier und ungefährdeter als unter christlicher Herrschaft leben konnten, gab es auffällige Unterschiede zwischen sunnitischem und schiitischem Islam. Im schiitischen Machtbereich, schreibt Bernard Lewis in dem Standardwerk „Die Juden in der islamischen Welt“, kam es bis ins 19. Jahrhundert häufig zu Vertreibungen, Zwangsbekehrungen und Massakern.

Zwischen 25.000 und 28.000 Einwohner/innen des heutigen Irans sind jüdischen Glaubens. Die gestern in Israel angekommene Gruppe war die größte seit der islamischen Revolution von 1979. Während im vergangenen Jahr nur 65 iranische Jüdinnen und Juden nach Israel auswanderten, waren es 2007 insgesamt 200. Die Jewish Agency hofft, dass die Berichterstattung nun weitere jüdische Iranerinnen und Iraner zur Migration ermuntert.

Es war Weihnachten?

Weihnachten kann man hier im jüdischen Westjerusalem fast verpassen. Keine Adventsleuchter, Tannenbäume, Weihnachtsmänner oder Kaufrauschbummler attackieren den guten Geschmack auf offener Straße; stattdessen packen die Letzten ihre Chanukka-Leuchter wieder weg und lassen den Alltag seinen Gang gehen. Einige würden sagen, dass die Geburt des Christentums für Jüdinnen und Juden wahrlich kein Grund zum Feiern, sondern der Beginn religiös motivierter Verfolgungen und Pogrome ist. Man kann das Ausbleiben von Weihnachten jedoch auch einfach damit erklären, dass das Fest hier in der Region, in der der Alltag auch der Säkularen von jüdischen Traditionen bestimmt wird, einfach keine Rolle hat. Einen Weihnachtsmarkt in der protestantischen Gemeinde Jerusalems vor kurzem könnte man eher als kuriose Mischung aus Gemeindetreff und Flohmarkt bezeichnen als das, was in Deutschland einen vollgestopften Adventsmarkt ausmacht.

Erst bei einem Kurzbesuch in Haifa am Wochenende wurden wir daran erinnert, dass in der Ferne zu Hause gerade die Feiertage anbrechen. In der Stadt leben zwar ein paar Tausend arabische Christen, aber auch nur ein paar hatten ihre Wohnungen und Schaufenster mit Schmuck und Klimmbimm dekoriert. Beeindruckt waren wir eher einmal mehr davon, wie toll Haifa ist – und das liegt nicht nur daran, dass es nicht Jerusalem ist. Die Stadt strahlt vielmehr einen angenehm urbanen Flair aus, ohne hektisch zu sein; sie ist weitgehend säkular; mit ihrem scheinbar lockerer als anderswo funktionierendem Zusammenleben von jüdischen und arabischen Einwohner/innen pluralistisch; mit ihrer industrialisierten Downtown und der Lage am Karmelgebirge abstoßend bebaut und gentrifiziert wie auch faszinierend schön; und in der Ben-Gurion-Avenue wird ein wunderbarer Halumi-Salat serviert. Nur die Broschüre des lokalen Tourismus-Büros hat uns geärgert, weil sie uns am Sonnabend zum Ghetto-Fighter-Museum im nahen Kibbuz Lochamei haGeta‘ot geschickt hat, das jedoch gar nicht geöffnet hatte. Schade. Das laut Tourismusbüro im Nahen und Mittleren Osten einzigartige Festival der Festivals in Haifa, das interreligiös Chanukka, Weihnachten and Id al-Adha begeht, konnte uns angesichts vieler Stände mit Spielzeug aus China und Taiwan auch nicht so recht dafür entschädigen.

Weihnachten wollten wir uns mal den Trubel in Bethlehem anschauen, von dem wir meinten, dass er mit jeder IKEA-Eröffnung problemlos mithalten könnte. Etwa 20.000 Leute wurden allein für die gestrige Nacht erwartet. Als wir jedoch am Abend in der Stadt ankamen, war alles recht überschaubar: Neben einigen asiatischen Reisegruppen sowie wenigen hektischen und verpeilten Touristen bevölkerten vor allem viele arabische Einwohner/innen und Besucher/innen die Stadt. Die meisten seien gekommen, erklärten uns ein paar nette lokale Jugendliche, weil ein berühmter palästinensischer Sänger auftreten sollte. Der Rest stammte ihrer Aussage nach aus Hebron und wollte ausländische Mädchen aufreißen. Oder zu völlig überteuerten Preisen Tinneff, Kaffee, Postkarten oder sogar Kaugummis verkaufen.

Alles und alle waren zwar recht nett und entspannt – trotz der schwer bewaffneten palästinensischen Sicherheitskräfte, die die ganze Stadt in Beschlag genommen hatten –, aber bis zur Mitternachtsmesse wollten wir in der Kälte nicht so recht warten. Von den neuen Street-Art-Werken einer Künstlergruppe um Banksy, die vor kurzer Zeit in Bethlehem unterwegs gewesen ist, konnten wir nur wenige aufspüren. Zum Abschied aus der Stadt hat uns dann jedoch noch eine verrückte amerikanische Evangelistin mit ihren kruden Ansichten am Checkpoint unterhalten. Und uns einen weiteren Grund geliefert, nicht nur an Weihnachten, sondern an allen Tagen des Jahres weiterhin eine gesunde Distanz zur Religion zu bewahren.

(Die heutige Haaretz berichtet übrigens, dass in Israel 152.000 Christen leben und sie damit 2,1 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Über 80 Prozent von ihnen sind arabisch, der Rest Angehörige von Einwanderer/innen. Die meisten christlichen Israelis leben in Nazareth (20.000), Haifa (17.200), Jerusalem (15.000) und Shfaram (8.800). Interessanterweise gleicht das Leben von ihnen mehr den jüdischen Israelis als den arabischen, was Altersstruktur, Verstädterung und Geburtenrate angeht.)

Haifa/ Haifa/
Haifa

Haifa/ Bethlehem/
Sonderbare Straßennamen in Haifa // Weihnachten in Bethlehem

Bethlehem/ Bethlehem/
Die Aussicht ist nicht so dolle…

Bethlehem/ Bethlehem/

Bethlehem/ Bethlehem/

Bethlehem/ Bethlehem/
Die Feindbilder sind klar…

Bethlehem/ Bethlehem/

Bethlehem/ Bethlehem/

Bethlehem/ Bethlehem/
Wen man so alles trifft…