Kinder, Kinder, was soll das mal werden

Wo man auch hinschaut in Israel, kann man die vielen Kinder nicht übersehen. Straßen sind voll, Spielplätze sowieso, und Eltern auch. Orthodoxe Pärchen sieht man nicht ohne Nachwuchs, und je älter die Eltern, desto reichlicher die Kinder. Ein Bekannter, der in Israel aufgewachsen ist, erzählte uns mal, dass seine säkularen Freunde sich vier bis sechs Kinder wünschen. Ultra-Orthodoxe wollen doppelt so viele. Wo die Religiösen der Armee fernbleiben, denkt man, dass sie den jüdischen Charakter des Staates stattdessen gegen die vielbeschworene Angst der wachsenden Zahl arabischer Israelis an der Kinderzimmerfront retten wollen.

Die gestern vom Statistischen Zentralamt veröffentlichten und heute in der Haaretz wiedergegebenen Informationen über Geburten in Israel geben Zahlen wieder, von denen Demographen und Politiker/innen in Europa nur träumen können. So ist die Geburtenrate 2006 nach den vergangenen beiden Jahren um 0.1 auf 2.9 Kinder pro Frau gestiegen. Zurückzuführen ist das auf einen Anstieg unter den jüdischen Frauen von 2.7 Kindern 2005 auf 2.8 im letzten Jahr; bei den muslimischen liegt sie bei 4.0 im Gegensatz zu noch 4.7 im Jahr 2000. Beständig gefallen ist auch die Lust der Christen auf Kinder, von 2.7 im Jahr 1996 auf 2.2 gegenwärtig.

Interessant: Weniger als 4 Prozent aller Kinder im vergangenen Jahr sind unehelich zur Welt gekommen. Die jüngsten Mütter sind in der muslimischen Bevölkerung zu finden, wo Frauen das erste Kind mit durchschnittlich 23.2 Jahren bekommen. Generell jedoch werden die Mütter immer älter; 46 Prozent von ihnen waren im letzten Jahr älter als 30 Jahre, im Gegensatz zu 29 Prozent im Jahr 1980.

Oftmals erzählt man sich, dass Israel und besonders Jerusalem nur deshalb immer religiöser wird, weil die orthodoxen Viertel wie Me‘a She‘arim aus allen Nähten platzen und sich der religiöse Nachwuchs deshalb über die ganze Stadt verteilt. Schwer vorstellbar jedoch, dass dahinter eine Strategie steckt. Interessant wäre es allerdings, aus was für Gründen die Leutchen hier so viele Kinder kriegen. Auch über das wahrscheinlich total gestörte Sexualleben der prüden und in ihren Geschlechtervorstellungen mehr als reaktionären Orthodoxen zu erfahren, wäre total spannend. Mal schauen, was sich da noch so rausfinden läßt!