Fußball ist Fußball, und Politik ist -

Die Leute sind wegen des Fußballs gekommen, nicht wegen der Politik, hieß es danach. Oder: Von Politik haben die Fans gar keine Ahnung. Ihre Handlungen wären vielmehr Protest gegen die politische Elite, die reichen askenasischen Juden. Was mußten die Veranstalter des Spiels in Haifa am Todestag überhaupt eine Gedenkminute einplanen, schimpfte Arcadi Gaydamak, Besitzer von Beitar Jerusalem. Zuvor, am 4. November, war fast die Gesamtheit der Fans während des Gedenkens an den vor 12 Jahren ermordeten Premierminister Jitzchak Rabin in Buh-Rufe ausgebrochen und intonierte den Namen des Mörders Yigal Amir.

Während die einen Entschuldigungen für das Verhalten der Fans von Beitar Jerusalem finden, nennen andere Kommentatoren es beim Namen: Rechtsextremismus. „Tod den Arabern“ schallt es regelmäßig von den Rängen dieses Clubs, farbige Spieler, jüdisch oder nicht, werden mit Schmährufen bedacht.

Doch die Begeisterung für Yigal Amir, jenen national-religiösen Extremisten, der Rabin 1995 wegen dessen Friedenspolitik ermordete, ist nicht auf Ränder der Gesellschaft beschränkt. Knapp ein Drittel der jüdischen Bevölkerung, berichtet die Haaretz, bezeichnet ihn als Helden. Mehr als über den Jahrestag der Ermordung Rabins war in der Presse der vergangenen Wochen über Amir zu lesen. Nachdem es ihm trotz Haft erlaubt worden war zu heiraten, wurde er dieser Tage Vater. War die liberale Öffentlichkeit anfangs erleichtert, dass der Geburtstag des Kindes nicht auf den Jahrestag des Mordes an Rabin fiel, fand letztendlich die Beschneidung an jenem 4. November statt. Nach religiösem Recht, so hieß es, müsse sie am achten Tag nach der Geburt vollzogen werden. Während Rechtsradikale vor dem Gefängnis Amir und seinen Angehörigen Unterstützung zukommen ließen, protestierten linke Gruppen gegen die Zeremonie. In der Presse vermutete man, dass Rabins Mörder die Geburt seines Kinder absichtlich auf den Jahrestag seiner Tat geplant hatte.

Nicht zuletzt wegen dieses Affronts gingen in Tel Aviv 150.000 Menschen auf die Straße und gedachten jenes Mannes, der zum Symbol der Einsicht in die Notwendigkeit und Möglichkeit einer Verständigung mit den Palästinensern geworden ist. Doch bereits jetzt beginnen Rechte, den gegenwärtigen Anlauf zu neuen Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern zu torpedieren. In Jerusalem, meldet die Haaretz, sind Plakate aufgetaucht, die Ehud Olmert in der Kufiya, dem „Palästinensertuch“, zeigen. Die Parallelen sind offensichtlich: 1995 wurde Rabin auf Postern in SS-Uniform abgebildet.