Gott wirds schon richten

Man gibt sich Mühe. Nach einer Masernepidemie in den religiösen Gemeinden Jerusalems haben es die Gesundheitsbehörden geschafft, ultra-orthodoxe Eltern zur Impfung von mehr als 10.000 Schulkindern zu bewegen. Man hat sich strikt an die Geschlechtertrennung der Schulen gehalten und Jungs nur von Männern, Mädchen nur von Frauen behandeln lassen. Den Schuldirektoren wurde versprochen, dass die Namen der geimpften Kinder nicht an das Gesundheitsministerium weitergegeben würden. Jeglicher Anschein einer Nähe zu Regierungsbehördenn wurde zu vermieden versucht: In den Aufforderungen an die Eltern zur Impfung wurde auf das Logo des Ministeriums verzichtet und in allen Äußerungen Unabhängigkeit betont. „Es war, als ob eine Damm gebrochen wäre“, teilte die Krankenschwester Eli Haimo der Haaretz mit. „Nachdem eine Schule gehört hatte, dass eine andere ihre Schüler impfen ließ, erlaubte sie es auch.“

Teile der ultra-orthodoxen Gemeinden stehen dem Zionismus ablehnend gegenüber und boykottieren alle Sozial- oder Pflegeleistungen des israelischen Staates. Das zwang die Gesundheitsbehörden zu besonderer Rücksichtnahme, nachdem vor einigen Wochen eine Masernepidemie in deren Viertel ausgebrochen war und schnell um sich gegriffen hatte. Vor vier Jahren mußte schonmal ein Kind sterben, weil viele Religiöse Imfpungen verneint hatten und das Schicksal ihrer Kinder lieber in die Hände Gottes legten.

Dumme Sache: Einige esoterisch beeinflusste Neu-Religiöse lehnen Impfungen ebenfalls ab. Sie vertrauen lieber auf alternative, natürliche Heilmethoden.