Zwangs-Fasten

Die meisten der ultra-orthodoxen Familien leben unter der Armutsgrenze, berichtete die Haaretz am Montag. Eine aktuelle Untersuchung der Regierung und zweier Institute hat festgestellt, dass 70 Prozent der Männer und 50 Prozent der Frauen in ultra-orthodoxen Gemeinden nicht arbeiten. Während sich die Männer gemäß ihres strengen Glaubens für das jahrzehntelange Studium der Religion entschieden haben, bleibt es den Frauen überlassen, ein Auskommen für die oftmals auch noch großen Familien zu finden. Weil ihre Qualifizierung jedoch sehr schlecht ist und es an Arbeitsmöglichkeiten innerhalb der Communities mangelt, sind auch viele von ihnen arbeitslos. Stattdessen leben die Familien von Sozialleistungen des Staates und Unterstützung der religiösen Schulen ihrer Männer. Wer Arbeit hat, hat es nicht unbedingt besser: Durchschnittslöhne bewegen sich zwischen 4.482 Schekeln (775 Euro) und 3.202 Schekeln (554 Euro) in den verschiedenen Städten.

Um die Einkommensmöglichkeiten zu verbessern, schlagen die Autor/innen der Studie die Anschubfinanzierung von Gewerben in den orthodoxen Communities wie auch eine Änderung der Wehrpflicht vor. Statt der Verschiebung der Armeezeit sollte den Talmud- und Toraschülern künftig auch eine Art Zivildienst erlaubt sein, um Berufserfahrungen zu sammeln.

Man geht davon aus, dass etwa 700.000 der 7 Millionen Einwohner/innen Israels streng religiös sind.