Rassismus und Gewalt in Israels Stadien

Man mag es kaum glauben: In einem Land, in dem jede Handtasche kontrolliert wird, bevor man einen Supermarkt oder ein Restaurant betreten kann, und in dem die Polizei ausreichend Erfahrungen mit Straßengewalt und Terrorismus hat, wissen die Sicherheitsbehörden nicht so recht mit gewalttätigen Fans bei Sportveranstaltungen umzugehen. Am Wochenende wurde bei einem Basketballspiel ein Sicherheitsmann schwer verletzt und verlor mehrere Finger, als ein großer Feuerwerkskörper auf das Spielfeld geworfen wurde. Eine Woche zuvor hatten rechtsradikale Anhänger von Beitar Jerusalem eine Schweigeminute zum Gedenken an Premierminister Rabin mit Hochrufen auf dessen Mörder gestört. Schwerverletzte nach Prügeleien unter Fans sowie rassistische Gesänge wie „Tod den Arabern“ oder gegen Tiraden gegen farbige Spieler passieren auch in Israel.

Nun haben sich nach einem Bericht der Haaretz Vertreter der Polizei und des Fußballverbandes getroffen, um geeignete Maßnahmen abzustimmen. Die Polizei gab der Forderung der Israel Football Association nach, gewalttätige und sogar nur fluchende Fans von den Rängen zu entfernen; diese will dafür ihre Schiedsrichter anweisen, die Spiele für die Dauer der Maßnahmen zu unterbrechen. Die Haaretz kritisiert indessen das Fehlen qualifizierter Spezialeinheiten der Polizei für Sportveranstaltungen. Stattdessen seien die Beamten in vielen Fällen zu zurückhaltend, während sie in anderen mit übertriebenen Maßnahmen erst Gewalt provozieren würden.


5 Antworten auf “Rassismus und Gewalt in Israels Stadien”


  1. 1 Besserscheitern 16. November 2007 um 12:26 Uhr

    Tja, wenn das Fussballstadion ein Spiegel der Gesellschaft ist und dort die Gewalt hervorbricht, die in der bürgerlichen Gesellschaft ständig latent unter der Oberfläche schwelt, dann wäre es auch ein Wunder wenn es all das in Israel nicht geben sollte.

    Jetzt ma ne gewagte These: Hooliganismus verhält sich zur Gesellschaft wie Porno zum Mainstreamkino. Beide Phänomene sind der Ausdruck dessen was in Gesellschaft und Kino verdrängt oder kanalisiert wird und dennoch aus ihnen hervorgeht oder mit ihnen zusammenhängt.

    Nur ist das Gefälle oder besser sind die Kontraste in Israel vermutlich schärfer. Während an einem Ort die typischen Strategien der Disziplinierung in westlichen Industrienationen den Frieden der Gesellschaft sichern sollen, fliegen ein paar Kilometer weiter Raketen.

  2. 2 Counting the Cats 16. November 2007 um 14:54 Uhr

    Interessanterweise wurde just in einem Editorial der Haaretz auch gesagt, dass die Fans eben ein Spiegel der Gesellschaft sind – und es deshalb so verwunderlich sein, weshalb die Sicherheitsbehörden da so blauäugig seien.

    Deiner These möchte ich – auch ohne den Kino-Vergleich – gerne zustimmen. Allerdings fragst du verwunderlicherweise nicht danach, warum sich der Druck der der Gesellschaft immanenten und auf den Individuen lastenden Gewaltverhältnisse im Hooliganismus Bahn bricht. Oder tut er das nicht auch zum Beispiel bei häuslicher Gewalt gegen Partner/innen bzw. Kinder? Es ist wohl die Anonymität, die den irrationalen Ausbruch von Gewalt und damit den Bruch mit den gesellschaftlichen Konventionen erlaubt; einerseits die Anonymität des Privaten und dann eben die Anonymität der Masse. Denn außerhalb der Hooligan-Kreise, also am Arbeitsplatz, in der Uni oder vor den Eltern, prahlt ja niemand mit seinen Taten im Stadion.

    In Israel beschränkt sich das Ausmaß der Gewalt übrigens nicht nur auf Raketen oder Terroranschläge. Nicht zu vergessen ist die große Instanz der Armee, die große Teile der jugendlichen Männer und Frauen einnimmt. Regelmäßig kommt es da etwa zu Selbstmorden oder Vergewaltigungen.

  3. 3 knusperflocken 16. November 2007 um 16:19 Uhr
  4. 4 besserscheitern 18. November 2007 um 13:59 Uhr

    Im Gegensatz zu häuslicher Gewalt handelt es sich beim Hooliganismus um einen bewusst begangenen, kollektiven Bruch mit den gesellschaftlichen Normen.

    -Der Porno Vergleich- na ja. Der macht insofern Sinn als dass Porno ja auch in einem höchst ambivalenten Spannungsfeld betrachtet werden kann. Zu allerst ist es eine Gesellschaftliche Realität, egal wie man sich da individuell, moralisch zu verhält. Dann gibt es ja noch die beiden Pole eines Alice Schwarzer – Feminismus, der in Pornographie nur Unterdrückung von Frauen sieht und auf der anderen Seite Sex Positive Feminism (http://en.wikipedia.org/wiki/Sex-positive_feminism).

  5. 5 besserscheitern 18. November 2007 um 18:08 Uhr

    p.s.: aber trotzdem hasste wohl recht, dass das eigentlcih zwei themen sind die man auch als zwei themen behandeln sollte

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.