Stadt der Armen und der Ultra-Orthodoxen

Da gibt es anderswo wohl eine ganze Menge jüdischer Millionäre, und alle haben sie nichts besseres zu tun, als sich Wohnungen und Häuser in Jerusalem zu kaufen. Immer mehr Ausländer/innen, berichtet die Haaretz heute, kaufen sich Immobilien in der Stadt, um dort ihren Urlaub oder jüdische Feiertage zu verbringen, ohne jedoch die Aliya zu machen. Knapp 20 Prozent aller Appartments in der Innenstadt werden von ihnen aufgekauft. Und sie sind bereit, jeden erdenklichen Preis zu zahlen: Die Kosten für einen Quadratmeter sind in den vergangenen drei Jahren von 5.000 bis 7.000 Dollar auf bis zu 13.000 Dollar angestiegen.

Solche Summen können sich Israelis nicht leisten. Besonders säkulare Einheimische, heißt es in der Zeitung, würden insofern erst gar nicht nach Jerusalem ziehen oder sich, ausgestattet mit dem ordentlichen Sümmchen aus dem Verkauf ihrer Wohnung, in günstigeren Regionen des Landes ansiedeln. Anderen Einwohner/innen bliebe praktisch keine andere Möglichkeit außer des Wegzugs: Mit der Ausdünnung ihrer Nachbarschaften würden kleine Läden, aber auch Kindergärten und Schulen wegen sinkender Nachfrage dichtmachen. „Weite Teile meiner Nachbarschaft wirken in der Nacht verlassen“, wird ein Anwohner zitiert. „Das Haus, in dem ich wohne, hat acht Appartments. Nur drei von ihnen sind das ganze Jahr über bewohnt, während die Besitzer der anderen nur für ein paar Wochen zu Besuch kommen.“ Zumindest jedoch würden sich die reichen Besitzer/innen um die Pflege ihrer Häuser kümmern. Und Parkplätze seien nun auch leichter zu finden.

Wer bleibt, sind neben jenen, die sich den Wegzug nicht leisten können, vor allem die Ultra-Orthodoxen, die ihn sich weder leisten können noch wollen. Keine guten Aussichten für die Hauptstadt eines sozialen und säkularen Staates.

Suq/
Totenstille auf dem Wochenmarkt. Bald nicht nur am Schabbat?