Siedlerkids gegen Annapolis

Termine für politische Events in Israel mitzubekommen, wenn man kein Hebräisch lesen kann, ist sehr problematisch. In den englischsprachigen Tageszeitungen wird erst im Nachhinein über Demonstrationen oder Kundgebungen berichtet, und eine dementsprechende Website habe ich noch nicht gefunden. Der israelische Indymedia-Kalender, der fast alles auch auf Englisch veröffentlich, weil es ohne ausländische Unterstützung mit der hiesigen radikalen Linken wohl noch mauer aussehen würde, war bis vor kurzem kaputt.

Auf dem Blog einer deutschsprachigen orthodoxen Israelin konnte ich jedoch gestern glücklicherweise einen Hinweis auf eine Kundgebung der Rechten gegen das Treffen in Annapolis finden. Also am gestrigen Abend gleich mal hin, um zu schauen, wie die hiesige Rechte ihre Events so veranstaltet.

Ein Event war die Kundgebung des Yesha-Komitees der Siedlungen dann tatsächlich. Bässe, Singsang, Parolen und Folkore dröhnten über den Paris Square, der von mehreren Tausend Kindern und Jugendlichen bevölkert wurde – sie bildeten schätzungsweise 90 Prozent der Demonstrant/innen. Die nationalreligiöse Verbundenheit war unübersehbar: Fast alle Mädchen hatten Röcke an, alle Jungen waren mit Kippas ausgestattet; die dezente Tracht der Orthodoxen jedoch war nicht zu sehen. Die Kids wurden wohl extra in die Stadt gekarrt und haben die Kundgebung mit einem vorherigen Massengebet von 15.000 Leuten an der Klagemauer verbunden. Kreativität bot ihr Event nicht unbedingt: Es gab die immer gleichen Transparente, Aufkleber und Sprüche („Jerusalem is not for sale“ war einer der wenigen englischen), zugleich auch sehr wenige Reden. Einzig ein großes Gebet haben wir noch mitbekommen. Ob der Glaube an Gott allerdings den rechten Friedensunwilligen nützt?

Weil meine Bezugsgruppe lieber Bier trinken als Siedlerkids sehen wollte, sind wir nach einer knappen Stunde recht schnell wieder los. Schade, weil später noch, wie die Haaretz heute berichtet, Knesset-Abgeordnete der Regierungsparteien gesprochen haben und teilweise mit Buh-Rufen und Pfiffen empfangen worden sind. Wir jedoch haben auf unserem frühen Rückweg aus einer Kneipe keine Regierungslimousinen, sondern nur noch die ausgelassenen Kinder erlebt, für die der Tag ähnlich bedeutsam wie ein Klassen- oder Pfadfinderausflug gewesen sein mag. Man könnte kritisieren, dass sie von Politik wahrscheinlich sehr wenig verstehen – aber das trifft wohl auch auf viele Teilnehmer/innen von Antifa- oder Schüler/innendemos in Deutschland zu. Wenigstens geht es da jedoch meistens um gute Sachen…

Rechtendemo/ Rechtendemo/

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Für Verpflegung war gesorgt.

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