PISA-Schock in Israel

Auch in Israel ist der politische Aufschrei groß, nachdem jüngst die Ergebnisse der PIRLS-Studie zur Lesefähigkeit israelischer Grundschüler vorgestellt worden sind. Ein Drittel der 120 Knesset-Abgeordneten – darunter sogar Mitglieder der Regierungsparteien und ein Minister – fordern die Entlassung von Bildungsministerin Yuli Tamir (Kadima). Diese wird in der Zurückweisung der Kritik jedoch von Ministerpräsident Ehud Olmert (Kadima) unterstützt.

Mit 512 von 1.000 Punkten befinden sich die israelischen Viertklässler/innen im Vergleich von 35 Ländern auf dem 23. Platz, in der Nachbarschaft von Polen (519), Spanien (513) und Island (511). An der Spitze der alle fünf Jahre erhobenen Studie befinden sich Rußland (565), Hongkong (564) und Singapur (558), am Ende Kuwait (330), Marokko (323) und Südafrika (302).

In der Kritik steht laut der gestrigen Ausgabe der Haaretz insbesondere, dass sich die Ergebnisse seit dem letzten Vergleich nicht wesentlich verbessert habe. Ein Kommentator der Zeitung führt es jedoch auf die besonderen Bedingungen in Israel zurück: Während im jüdischen Teil der Einwanderergesellschaft nicht-hebräische Sprachen noch weitverbreitet seien, gäbe es in der arabischen Bevölkerung keine Tradition des Vorlesens, die ein Interesse fördern kann.

Gleichzeitig hat das Bildungsministerium Zahlen zur Schulbildung der Fünftklässler/innen in Israel veröffentlicht. Sie zeigen auf, dass es eklatante Wissensunterschiede von bis zu 20 Prozent zwischen arabischen und jüdischen Schüler/innen gibt. Ahnlich hoch ist auch der Einfluss des sozialen Hintergrundes auf die Leistungen der Kinder. Geschlechterunterschiede wären stattdessen nicht so auffällig; sie fallen nur in arabischen Schulen auf, wo Mädchen in allen Fächern besser abschneiden als Jungen.

Außerdem wurden die Fünftklässler/innen nach dem Schulklima gefragt: Mehr als 50 Prozent fühlen sich von den Lehrer/innen regelmäßig beleidigt oder nicht respektiert. 47 Prozent von ihnen berichteten zugleich davon, Zeug/innen schwerer oder mittelschwerer Gewalt an der Schule geworden zu sein. Weitere 10 Prozent haben indirekte Gewalt wie Ausgrenzung oder das Verbreiten böser Gerüchte mitbekommen.


2 Antworten auf “PISA-Schock in Israel”


  1. 1 grenzgaenge 13. Dezember 2007 um 15:02 Uhr

    hallo,

    danke fuer deinen kommentar in meinen blogg – und den hinweis das es „Counting the Cats“ gibt. ansonsten waere ich vielleicht nie hier gelandet und das waere sehr schade gewesen, die beitraege sind wirklich spannend und informativ. ich werde „Counting the Cats“ gleich in meine blogrolls aufnehmen.

    weiterhin gutes gelingen,schabbat schalom,
    der grenzgaenger (schon in schabbat laune !)

  2. 2 Counting the Cats 13. Dezember 2007 um 16:51 Uhr

    Danke auch an dieser Stelle für den Kommentar, über das Lob freue ich mich natürlich – auch, weil ich regelmäßig mit Gewinn dein Blog lese! Meine Blogroll ist nun auch aktualisiert :-)

    Schabbat schalom!

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