„Sklaven der Hoffnung, Sklaven eines Traums“

Diese Eröffnung ist keine Feierlichkeit wert. Eher das Gegenteil. Gestern öffnete in Tel Aviv die nunmehr dritte Unterkunft in der Stadt für Asylbewerber/innen ihre Pforten. Die Zustände sind genauso miserabel wie die Lebenssituation der Betroffenen.

Etwa 1.000 Flüchtlinge, berichtete die Haaretz gestern, sind in den letzten zwei Jahren aus Afrika nach Israel eingereist. Nicht wenige von ihnen, die aus Eritrea, dem Sudan oder der Elfenbeinküste einreisen, haben Aussicht auf den Status als anerkannte Flüchtlinge durch den Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen und damit Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen des israelischen Innenministerium. Bis dahin können jedoch Monate vergehen, in denen die Menschen auf sich selbst angewiesen sind und in ständiger Angst vor Maßnahmen der Einwanderungsbehörden leben müssen.

G. aus Eritrea berichtet, dass er nach seiner Ankunft in einem Armeelager unter annehmbaren Bedingungen untergebracht worden war. Doch nach einem Monat wurde er mit anderen plötzlich in der Wüste Negev ausgesetzt. Die Kapazitäten, hieß es damals in der Presse, seien ausgelastet. Die Unterkünfte in Tel Aviv, in denen mittlerweise 300 Menschen leben, werden von der Stadtverwaltung bereitgestellt. Flüchtlinge müssen zu mehreren Dutzend in den gedrängten Räumen leben und mit miserablen hygienischen Bedingungen auskommen. So gibt es in einer Unterkunft nur eine Toilette und eine rudimentäre Kochnische. Geschlechtsspezifische Bedürfnisse werden nicht berücksichtigt: „Ich traue mich nicht, zu duschen oder die Kleidung zu wechseln“, erzählt eine Frau aus Eritrea. „Es gibt hier keine Privatsphäre, es ist unbehaglich für Frauen.“

Die Stadtverwaltung hat angekündigt, ihr Budget für die Versorgung von Asylsuchenden im nächsten Jahr zu verdoppeln. Hilfsorganisationen sind in der Betreuung der Flüchtlinge tätig. So wurde etwa Sprachunterricht in Hebräisch für 15 Kinder auf die Beine gestellt. Viele der Jugendlichen, die nicht selten ohne ihre Eltern in Israel ankommen, sind jedoch mit der Suche nach einem Lebensunterhalt gänzlich ausgelastet. „Wir sind Sklaven der Hoffnung“, meint G., der früher in Eritrea Chemie studiert hat, „Sklaven eines Traums.“