Israel statt Iran

„Wir haben die Freiheit, unsere Religion auszuüben“, teilte Ciamak Morsathegh der Weltöffentlichkeit mit. Im Iran gäbe es keine Gefahr für Jüdinnen und Juden. Das Oberhaupt des Teheraner Jüdischen Komitees reagierte damit auf die jüngste Auswanderung von 40 jüdischen Iranerinnen und Iranern nach Israel, die unter größter Geheimhaltung und über ein nicht genanntes Drittland stattfand. Gestern berichtete die Haaretz neben anderen Medien über ihre Ankunft in Israel, hielt jedoch auf Wunsch der Betroffenen Namen und Fotos zurück, um Verwandte im Iran nicht zu gefährden. Während einige der Flüchtlinge im Iran in Angst gelebt hätten, teilten andere mit, dass sie sich in dem Land sicher gefühlt hatten.

Morsathegh tat die Auswanderung, die nicht stattgefunden hätte, als Teil einer Desinformationskampagne ab. „Antisemitismus ist eine westliche Erscheinung und im Iran waren Juden nie in Gefahr.“ Dass der Antisemitismus zwar aus den westeuropäischen Staaten kommt, aber mit der kapitalistischen Moderne von dort aus seinen Siegeszug über die Welt angetreten hat, kommt Morsathegh freilich nicht in den Sinn. Doch auch die Berufung auf das vormoderne islamische Recht der dhimma, die das Zusammenleben von Muslimen und Andersgläubigen regelt, ist in Zeiten allgemeiner Menschenrechte nicht weniger antisemitisch. Zwar erlaubt es – in seiner Abwandlung im Iran bis heute – die freie Religionsausübung und politische Repräsentation. Nichtmuslime müssen jedoch die Vorherrschaft des Islam akzeptieren und sind nur Staatsbürger zweiter Klasse.

Während dank der dhimma in der islamischen Vormoderne Jüdinnen und Juden freier und ungefährdeter als unter christlicher Herrschaft leben konnten, gab es auffällige Unterschiede zwischen sunnitischem und schiitischem Islam. Im schiitischen Machtbereich, schreibt Bernard Lewis in dem Standardwerk „Die Juden in der islamischen Welt“, kam es bis ins 19. Jahrhundert häufig zu Vertreibungen, Zwangsbekehrungen und Massakern.

Zwischen 25.000 und 28.000 Einwohner/innen des heutigen Irans sind jüdischen Glaubens. Die gestern in Israel angekommene Gruppe war die größte seit der islamischen Revolution von 1979. Während im vergangenen Jahr nur 65 iranische Jüdinnen und Juden nach Israel auswanderten, waren es 2007 insgesamt 200. Die Jewish Agency hofft, dass die Berichterstattung nun weitere jüdische Iranerinnen und Iraner zur Migration ermuntert.


2 Antworten auf “Israel statt Iran”


  1. 1 dddddd 30. Dezember 2007 um 19:17 Uhr

    was Du in Haaretz vielleicht nicht gelesen hast (vielleicht war es nur in der hebraeisch Version..) ist das jede Person von dieser Gruppe 10,000 $ gekriegt hat, was wahnsinnig viel geld in Iran ist. Das Geld wurde von einer juedischen-zionistischen Stiftung gegeben…

    Es ist wirklich nicht geil als Jude in Iran zu wohnen, aber glaub mir auch dass als Mensch in Israel zu wohnen ist auch nicht so einfach. ich glaub die meisten Juden aus Iran, wenn sie nicht in Iran bleiben wollen, wuerden lieber nach Duetschland oder USA imigrieren als nach einem verrueckten Land wo es immer Krieg gibt.

  2. 2 Counting the Cats 31. Dezember 2007 um 9:38 Uhr

    Danke für die Ergänzung! In der Wochenendausgabe der englischen Ausgabe der Haaretz wurde auch nochmal darauf eingegangen und geschrieben, dass die Bemühungen der diversen Organisationen zur Auswanderung nach Israel im Iran trotz der 10.000 Dollar angesichts von nur 40 Leuten ganz schön enttäuschend sind. Neben dem von dir genannten mangelnden Willen, ausgerechnet nach Israel zu gehen, wurde dort auch noch der schlechte Kurs der iranischen Währung genannt – de facto wären alle, die im Iran einigermaßen Wohlstand anhäufen konnten, im Ausland arm.

    BTW: Der jüngst erschienene Film Persepolis ist sehr sehenswert, was den Alltag im Iran vor, während und nach der Islamischen Revolution angeht.

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