Sderot

Sehr interessant, mal in Sderot zu sein: Das übliche Flair von Bauten einer Entwicklungsstadt, neuen Prachthäusern und viel Wüste ergänzt zu sehen um den Blick auf den Gaza-Streifen, allgegenwärtige Bunker und Raketenschutzanlagen sowie eines gehörigen Gefühls kollektiver Angst. Eine ganze Menge medial vermittelter Vorurteile werden ausgeräumt: Dass der Gaza-Streifen kein eingemauertes Gefängnis ist, von einer Wüste umgeben, sondern man in 15 Minuten Fußmarsch ohne Probleme wie Besatzung und Hamas-Terrorregime drüben wäre. Dass die Kassam-Raketen keine überdimensionierten Silvesterböller sind, sondern schon eine große Explosionskraft ergänzt um Schrapnellgeschosse haben. Und dass ich wahrscheinlich hoffnungslos überfordert wäre, wenn ich innerhalb von 15 Sekunden nach Erklingen der warnenden Raketen einen Bunker aufsuchen sollte – ganz zu schweigen von der langfristigen psychologischen Belastung bei bis zu 40 Raketen am Tag, bei denen jedes Mal der Alarm losgeht.

Die Führung durch das Sderot Media Centre ist jedoch ein trauriger Witz: Die Begrüßung durch einen Freiwilligen gibt schonmal den Ton vor, als er das Problem mit den Palästinensern mit einer Kakerlakenplage vergleicht. Der Guide des NGO-Projektes glänzt während der Tour weniger durch Informationen als ein unablässiges aufdringliches politisch-pathetisches Geschwafel und sein Wissen um das, was die Menschen von Sderot eigentlich wollen würden: Nämlich auf keinen Fall Verständigung, Friedensverhandlungen oder zurückhaltende militärische Maßnahmen. Dass er dabei mit den Fakten recht locker umgeht oder auchmal schlichtweg Mist erzählt, überrascht nicht. Nichtsdestotrotz kommt man ohne Guide nicht weit, und an sehr pointierte Meinungen jeglicher Richtung muss man sich in Israel eben gewöhnen. Zumal er damit nicht ansatzweise den Mist ausgleicht, der international so über Israel verbockt wird.

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Bunker auf dem Spielplatz / Ein neues und sicheres Dach für die Schule – künftige Schulen werden dann gleich unter der Erde gebaut
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Die Kassam-Collection der örtlichen Polizei: Gotta catch em all